Weltstadt – Who creates the city?

Blog, Ausstellung und Publikation zu neuen Akteuren in der Stadtgestaltung, weltweit, 2013-2014

Blog, Ausstellung, Konferenz und Publikation zu neuen Akteuren in der Stadtgestaltung

Wer macht die Stadt? Wer gestaltet ihre Zukunft? Angesicht der großen, aktuellen Herausforderungen wie Klimaerwärmung, Wirtschaftskrise, Migration, soziale Polarisierung oder demografischer Wandel ist diese Frage von großer Brisanz. Sind es die gewohnten Experten, Entscheidungsträger und Investoren, die sich dieser Aufgaben annehmen oder werden neue Akteure die Initiative ergreifen? Weltweit steigt die Bedeutung von Eigeninitiative und Partizipation in Prozessen der Stadtentwicklung. Stadtplanung als zentralistisch organisiertes Expertengeschäft wird von neuen, oft informellen Akteurskonstellationen ergänzt, infiltriert oder streckenweise abgelöst.
Vor diesem Hintergrund vernetzt das Projekt Weltstadt – Who creates the city? Initiativen, die durch Goethe-Institute weltweit und deren Partner vor Ort ins Leben gerufen wurden. Sie alle erproben lokale Formen des Stadtmachens und arbeiten in neuen Akteurskonstellationen an der Zukunft der Stadt. Weltstadt will diesen lokalen Initiativen ein internationales Schaufenster bieten und ihre Weiterentwicklung unterstützen. Der Weltstadt-Blog, die themenbasierten Zeitungen, eine Wanderausstellung und gemeinsame Workshops fördern den Austausch zwischen den lokalen Akteuren an verschiedenen Weltstadt-Orten sowie
den Wissenstransfer mit Deutschland.
Unter der gemeinsamen Fragestellung „Wer macht die Stadt?“ bringt Weltstadt Projekte aus unterschiedlichen Regionen der Welt in einen Dialog: So werden Erfahrungen bei der Weiterentwicklung informeller Siedlungen in Johannesburg und Seoul verglichen. In Brasilien steht die Forderung nach mehr Mitsprache durch eine „neue Mittelklasse“ im Fokus und in New York bürgerschaftliche Initiativen gegen den Klimawandel. Das Potenzial kultureller Akteure für die Reaktivierung von ungenutzten Stadträumen steht im Mittelpunkt des Interesses in Belgrad und Riga. In den krisengeschüttelten Städten Südwesteuropas untersucht Weltstadt neue Formen der Koproduktion und des Teilens und auch in Bangalore werden Ideen von Bürgern über eine Crowdsourcing Plattform geteilt. Die komplexe Beziehung zwischen Stadt und Umland veranschaulichen Projekte in Dakar und Ulan Bator, bei denen es darum geht, wie Migranten aktiv werden und so die Städte verändern. Allen Projekten gemeinsam ist die Kernfrage nach dem Potential informeller Strukturen und Akteure. Indem das Projekt Weltstadt – Who creates the city? nicht nur die Projekte, sondern auch die beteiligten Personen thematisiert, soll zum Verständnis unseres Planeten als einer dialogischen und gemeinschaftlichen urbanen Plattform beigetragen werden. Weltstadt bietet dafür einen gemeinsamen Horizont, ohne die Lokalität des Stadtmachens auszublenden.

Weltstadt – Who creates the city? ist eine gemeinsame Initiative des Goethe-Instituts und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Die Kuratoren des Projektes sind Matthias Böttger und Angelika Fitz sowie Tim Rieniets (bis 2013).

WELTSTADT

 

Die einzelnen Weltstadt Projekte im Überblick:

BELGRADE – THE URBAN INCUBATOR: BELGRADE
Urban Incubator: Belgrade ist ein Projekt zur Aufwertung des benachteiligten Stadtteils
Savamala in Belgrad. Nicht Planer, Politiker und Investoren, sondern Künstler, Architekten,
Aktivisten und die Bewohner von Savamala arbeiten gemeinsam an der Zukunft des
Stadtviertels. 2013 waren zehn lokale und internationale Projekte aus den Bereichen
Kunst, Architektur, Städtebau und Soziales zu Gast in Savamala und haben bereits Spuren
hinterlassen – vor Ort in Savamala und im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Nach
erfolgreicher Arbeit ist nun geplant, dass der Urban Incubator: Belgrade verstärkt in die
Verantwortung lokaler Projektträger übergeht.

 

CURITIBA, PORTO ALEGRE, SALVADOR DE BAHIA, SÃO PAULO – NÓS BRASIL! WE BRAZIL!
Wie könnte Curitiba wieder eine „Smart City“ werden? Welche Rolle spielt der
Bürgerhaushalt in Porto Alegre noch? Was könnte urbaner Aktivismus in Salvador erreichen?
Wie sieht die sogenannte „Neue Mittelklasse“ ihre Stadt in São Paulo und Brasilien? An den
von Luis Berríos-Negrón entwickelten Y-Tables wurden im Projekt Nós Brasil! We Brazil!
mögliche Antworten angedacht und neue Netzwerke geknüpft.

 

MADRID, TURIN, BERLIN, LISBON, TOULOUSE – WE-TRADERS. SWAPPING CRISIS FOR CITY
Was tun gegen die Krise, die besonders südwesteuropäische Städte, aber auch deutsche
Kommunen im Griff hat? Das Projekt We-Traders sieht die Bürger als zentrale Akteure für
die Zukunft der Stadt und bringt 25 bürgerschaftliche Initiativen aus fünf Städten in einen
Dialog. Alle verbindet, dass sie die Beziehung zwischen Wert, Profit und Gemeinwohl neu
definieren. 2014 wird die gemeinsam produzierte Wanderausstellung zu einem Marktplatz
für neue Ideen gegen die Krise eröffnen.

 

SEOUL – CHANGSU MAEUL
Was passiert, wenn sich eine alte Wohnsiedlung im Schatten der Hochhäuser der Mega-
Stadt Seoul den Begehrlichkeiten der Spekulanten entzieht? Die Bewohner leben schon seit
Jahrzehnten dort, kämpfen inzwischen mit den engen Gassen und steilen Treppen, die vor
allem im Winter die Versorgung erschweren. Wie gestaltet sich das Leben im Alter in einer
solchen Umgebung? Die sozialen Strukturen müssen gestärkt werden, damit der Austausch,
die gegenseitige Unterstützung gewährleistet sind. Im Rahmen des Projekts entstehen
ganzjährig benutzbare Treffpunkte, die den Zusammenhalt der Bewohner stärken und
deren Vernetzung unterstützen.

 

BANGALORE – NEXTBANGALORE
Auf Basis einer Crowdsourcing-Plattform bindet das Projekt NextBangalore die Einwohner
als zentrale Akteure der Stadt in die urbane Entwicklung Bangalores ein. Indem es nicht
nur eine partizipative Plattform initiiert, sondern vor allem die Fragen und Ideen der
Bewohner zur Diskussion stellt, vernetzt, in einen Kreativprozess einbindet und in
Interaktion mit den Bewohnern tritt, entsteht nicht nur eine offene und sichtbare
Wissensplattform, sondern vor allem ein Katalysator zur existierenden Stadtplanung.

 

DAKAR – THE LAST VILLAGE
Jedes Jahr ziehen 100.000 Menschen vom Land in die 2-Millionen-Metropole Dakar. Sie
müssen ankommen, sie wollen wohnen, sie brauchen Arbeit. Es entstehen neue
ökonomische und soziale Netzwerke, oftmals transnationaler Natur, die sowohl die Stadt
als auch die Dörfer verändern. Das Projekt The Last Village erforscht diese Veränderungen
und mit künstlerischen und wissenschaftlichen Mitteln und bietet den neuen urbanen
Akteuren eine Bühne.

 

JOHANNESBURG – MARLBORO SOUTH
Marlboro South ist eine informelle Siedlung in Johannesburg, die in leerstehenden
Fabrikgebäuden entstanden ist. Wie sieht die Zukunft dieses Lebensraums aus?
Architekturstudenten und Bewohner haben die Siedlung gemeinsam kartographiert, die
Lebensbedingungen erfasst und nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Die
entstandenen Karten, Videos und Modelle dokumentieren einen besonderen Dialog über die
Zukunft des Städtebaus, bei dem nicht über die Köpfe der Bewohner hinweg entschieden
wird, sondern mit ihnen gemeinsam.

 

NEW YORK – CITIES AND CITIZENSHIP
Trotz umfangreichem Wissen über die Folgen des Klimawandels mangelt es an
wirkungsvollen politischen Maßnahmen. Das Projekt Cities and Citizenship untersucht
mögliche Überschneidungen von Design und Umweltschutz, um so gemeinsam Einfluss auf
diese Entwicklungen zu nehmen. Diskussionsrunden und Workshops gehen der Frage nach
ob Design zu mehr zivilgesellschaftlichem Bewusstsein und Engagement beitragen kann.

 

RIGA – EMPTY SPACES
Empty Spaces ist eine Plattform, die unabhängige Kulturschaffende in Riga vernetzt. Dabei
geht es vor allem um die Frage, wie der Mehrwert leerstehender Gebäude und
Industrieflächen in der Kulturhauptstadt Europas 2014 in den Blick der Öffentlichkeit
gerückt, und wie sie genutzt werden können. Im Projekt fragen die Akteure danach, wie
diese Leerräume abseits von neoliberalen Wirtschaftsinteressen in Zukunft mit Leben
gefüllt werden können.

 

ULAN BATOR – NOMAD CITY
60% der Einwohner von Ulan Bator leben in Ger (Jurten) -Siedlungen. Die Zustände sind
prekär. Vielerorts fehlt es an fließendem Wasser und Strom. Die improvisierten
Heizsysteme verschmutzen die gesamte Stadt. Und doch sind Ger mehr als eine
mongolische Analogie von informellen Siedlungen oder Slums. Nomad City – eine
Kooperation von mongolischen und deutschen Studenten - untersucht die Möglichkeit einer
kulturellen und physischen Neudefinition der Ger. Ist die Integration der Jurte als
traditionelle Unterkunft der Nomaden in die zeitgenössische Stadtstruktur und Kultur
sinnvoll und möglich?

 

Weltstadt Ausstellung und Konferenz

Im Mai 2014 wurden die Ergebnisse der einzelnen Weltstadt Projekte im Rahmen einer einmonatigen Ausstellung im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin ausgestellt.

Zudem kamen am 3. Mai unterschiedliche Akteure und Experten aus den 10 Städten im DAZ bei einer eintägigen öffentlichen Konferenz zusammen um ihre Erfahrungen und Ergebnisse auszutauschen und gemeinsam anhand von fünf zentralen Themen (New Civil Society, The City as Collective Performance, Self-Organization and Public Administration, New Middle Class und Informal Formal Strategies) zu diskutieren.

 

 

 

Alle Fotos © Goethe-Institut / DAZ

 

Weltstadt Blog

Die Website in Blogformat ist das Schaufenster von Weltstadt und gleichsam Kommunikationsplattform zwischen den Projekten. Hier finden sich Berichte aus den Projekten und themenbasierte Zeitungen zu jeder Stadt können kostenlos heruntergeladen werden.

     

 

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