Entropia Festival zu Entropie in Performance und Wissenschaft im Wissenschaftsjahr Energie im SAAL, Berlin
(in German only)
STADT NACH DEM ÖL
11.45 Uhr, SAAL, Berlin
© prototypen-ausstellungen
Diskussion: Prof. Dr. Stephan Rammler, Tim Rieniets
Moderation: Matthias Böttger
Die Städte westlicher Industriegesellschaften sind auf die beständige
Zufuhr von Energie angewiesen. Eine riesige Infrastruktur von Leitungen und
Straßen sorgt für eine geregelte Zufuhr von Elektrizität, Benzin und Gas. Doch
die Endlichkeit fossiler Ressourcen und das gleichzeitige Anwachsen der Städte
weltweit fordern neue Konzepte für Mobilität und Stadtstruktur.
Die Erneuerung und die Anpassung der Infrastruktursysteme an sich
verändernde technologische und demographische Rahmenbedingungen gehören zu den
größten Herausforderungen für ein neues Energiesystem. Ob im Bereich der
Stadtplanung, im Verkehrssektor oder beim Gebrauch der Elektrizität: Wir
befinden uns in Nutzungs- und Effizienzfragen beim Umgang mit Energie noch im
20. Jahrhundert. Ein intelligenteres Verkehrssystem mit intensiver Vernetzung
der unterschiedlichen Mobilitätssysteme könnte die Nutzer komfortabler,
kostengünstiger und umweltfreundlicher ans Ziel gelangen lassen als es die
heutige individuelle Automobilnutzung ermöglicht.
Gleichzeitig wachsen die Städte in den Schwellenländern rasant. Migration
und Mobilität definieren diese oft ungeplanten Stadtstrukturen. Doch nicht
jeder Bewohner hat den gleichen Zugang zu den vorhandenen Verkehrs- und
Kommunikationsmitteln. Es entstehen Enklaven, die räumlich, sozial und
funktional abgekoppelt und gleichzeitig global vernetzt sind. Individuelle
Mobilität war der Motor moderner Stadtutopien. Welche Form der Mobilität
bestimmt die Zukunft unserer Städte? Ist eine offene Stadt möglich, die Räume
des Austauschs schafft? Wie können diese aussehen und wie kommen wir dahin?
Prof. Dr. Stephan Rammler Leiter des Instituts für
Transportation Design an der HDK Braunschweig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind
die Mobilitäts- und Zukunftsforschung, Verkehrs-, Energie- und
Innovationspolitik, Fragen kultureller Transformation und zukunftsfähiger
Umwelt- und Gesellschaftspolitik. Er ist Autor des Buchs „Mobile Cities.
Dynamiken weltweiter Stadt- und Verkehrsentwicklung“ (2008).
Tim Rieniets unterrichtet am Lehrstuhl Architektur und Städtebau
an der ETH Zürich und ist Koordinator des „Urban Research Studio“. Er ist
Mitherausgeber des „Atlas der schrumpfenden Städte“ und der Publikation „Open
City – Designing Coexistence“ (2009). Er ist Co-Kurator der 4. Internationalen
Architektur Biennale in Rotterdam (2009).
ENTROPIE
Die unter dem Schlagwort „Entropie“ formulierte Erkenntnis, dass jede
Verwertung von Energie zugleich deren Entwertung bedeutet und die Welt trotz
aller Stabilität ihrem energetischen Ende zustrebt, hat von Beginn an eine
apokalyptische Faszinationskraft entfaltet, die vom „Wärmetod“ der Erde bis zum
Versinken des Kosmos im „Chaos“ reichte. Heute gilt es die Herausforderungen
der Entropie anzunehmen und für ein zeitgenössisches Nachdenken über Energie
fruchtbar zu machen.
Im Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie fragt das
Festival Entropia nach den gesellschaftlichen Chancen und ökologischen
Konsequenzen energetischer Transformationen. Welche Konsequenzen ergeben sich
für unser soziales und politisches Handeln, wenn der Umgang mit Energie stets
unumkehrbare Effekte generiert? Was geschieht, wenn Prozessualität, Chaos und
Verschwendung nicht als Bedrohung, sondern als integrale Bestandteile von
künstlerischer Produktivität verstanden werden?
Vier Tage lang präsentieren internationale KünstlerInnen und
WissenschaftlerInnen ihre Positionen zum Verschwinden, Verschwenden und
Verwenden energetischer Ressourcen.
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entropia festival